IO-Newsletter 25.01.2015: Das ewige Mantra „es wird gebaut“

Liebe InfoOffensive,

die Diskussion über die Zukunft des Widerstands wird in der Kontext weitergeführt (http://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/199/illusionaerer-irrweg-2685.html), doch ich bin hängen geblieben am ewigen Kommentar „es wird ja schon gebaut“. Ja. Seit 2010. Ihr wisst schon, diese Prellbock-Nummer – und das Interview mit Herrn Grube (https://www.youtube.com/watch?v=G_E1zEoTpmo) – der ja überraschend still geworden ist zu dem Thema. Aber worauf ich rauswollte: aktuell berichtet ja sogar die Stuttgarter Zeitung vom Stillstand – hier schon kommentiert von den Netzwerken: http://netzwerke-21.de/. Und wenn die StZ von sogenannten Fortschritten berichtet, ist auch das mit Vorsicht zu betrachten – denn in diesem Artikel wird eine Baulogistikstraße erwähnt, die es bis heute nicht gibt: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-foerderband-laeuft-zur-probe.3d2a2ea5-44be-48c2-9834-c93ae527bd55.html. Und auch wenn nichts vorangeht – der Ärger ist bereits da: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.neues-von-der-baustelle-dann-eben-weiter-im-stau-stehen.121d9636-7493-4b84-b7c3-8458e965863b.html. Das Mercure liegt übrigens ganz am Anfang des Einbahnstraßensystems – je weiter hinten man sitzt, desto schlimmer ist es.

Ich hoffe, diese Umstände behalten wir bei der Diskussion im Hinterkopf. Ebenso wie die Tatsache, dass es nie zu spät ist, ein sinnloses Projekt einzustellen. Und es nicht fertig zu bauen, wie BER und andere schlechte Beispiele von Großprojekten in Deutschland: http://infooffensive.de/2014/11/grossprojekte/.

In Stuttgart dreht sich derweil alles um Shopping. Wir wollen ja die Shoppinghauptstadt werden. Wenn es im Radio heißt „die Parkplätze am Einkaufszentrum sind belegt“ suggeriert das irgendwie, es gäbe nur eines. Im anderen zieht man daraus nun Konsequenzen: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.einzelhandel-in-stuttgart-im-gerber-schliesst-der-erste-laden.d2499e29-bb57-4754-af1e-ab2e1847f99e.html. Dabei gehören die „Shopper“ aus Stuttgart durchaus auch zur Zielgruppe in den Einkaufszentren des Umlands – und kostenloses Parken macht sogar Waiblingen für einen Einkaufsausflug attraktiv: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.der-waiblinger-remspark-ein-dorado-fuer-kofferraumkunden.0c90536e-f2ba-46b4-bfe4-61d4bf6a632c.html. Nicht kostenlos aber dafür näher geht im Herbst das Marstallcenter in Ludwigsburg wieder an den Start: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ludwigsburg-umbau-stellt-logistiker-vor-grosse-probleme.59a0fcd6-2aa1-447f-8466-8d3c1b5f1157.html.

Da darf man gespannt sein, wie viel „Kaufkraft“ da noch für das „Dorotheenquartier“ übrigbleibt, das dann 2016 in der Stuttgarter Innenstadt an den Start geht. Wobei, wir haben ja ohnehin „Nachholbedarf beim Luxus-Shopping“ – so sieht man es jedenfalls beim Breuninger: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgarter-einzelhandel-nachholbedarf-beim-luxus-shopping.4f6a2ce7-d319-478a-a8ae-3ab393525d3e.html . Da fragt man sich dann, wofür das Viertel eigentlich in Stuttgart und nicht in den im Artikel gerühmten Metropolen München oder Frankfurt gebaut wird.

Schon fast vergessen hatte ich das damals mit viel Tamtam eröffnete „Schwabenzentrum“ und das, obowohl ich doch oft an der Stadtbahnhaltestelle Rathaus ein- und aussteige. Vielleicht, weil es heute keinen Grund mehr gibt, sich dort aufzuhalten? Nun, es scheint sich jemand gefunden zu haben, der das ändern möchte: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gastronomie-in-stuttgart-neues-leben-im-schwabenzentrum.cfa41d0b-607f-4930-a0d0-c73262747bc0.html?

Immerhin, zu all der Berichterstattung ein einsamer Artikel darüber, dass Shopping auch nicht die Lösung aller Probleme ist – im Gegenteil: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schuldneratlas-fuer-die-region-stuttgart-auch-zu-viel-konsum-fuehrt-zur-misere.1af37cf1-7ee5-48f2-9a3b-d872f9b3f936.html

Sagt die Anzahl der Artikel zu einem Thema eigentlich irgend etwas aus? In der StZ stehen aktuell 5 Artikel zum Strafbefehl gegen Ex-Polizeichef Stumpf: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.polizeieinsatz-gegen-s21-gegner-ex-polizeichef-soll-geldstrafe-zahlen.92663e40-aae6-48da-bf9d-1cd99b576bb8.html. Die spannendste Frage für die Zeitung scheint zu sein, ob er ihn annimmt oder ob er es auf einen Prozess ankommen lässt. Nun, ich persönlich tippe, er zahlt und schweigt. Hätte er ein Interesse an der Aufarbeitung der Vorkommnisse, er hätte ja alle Chancen dazu gehabt. Und was kratzt den Pensionär schon eine Vorstrafe? Außerdem hatte er ja stets betont, die Verantwortung für den 30.09. trüge allein die Polizei – also er.

Inzwischen erkennen immer mehr Betroffene, dass sie überhaupt Betroffene sind – und das verdanken wir auch den unermüdlichen Informierern im Land: http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/01/22/bericht-zur-aktion-kein-s21-bau-aushub-nach-baden-nirgendwo-hin/

Und informieren auch wir weiter – jeden Montag: http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/01/22/die-257-montagsdemo-am-26-01/.

Herzliche Grüße und -oben bleiben!

Andrea
für IO.KO

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