IO Newsletter 01.03.2015: Haben wir alle den Kopf im Gully?

Liebe InfoOffensive,

ich finde gerade keine Quelle – aber das Zitat „man müsse schon den Kopf in den Gully stecken, um von den Bauarbeiten etwas mitzubekommen“ ist sicher allen geläufig. Gerne nehme ich sachdienliche Hinweise entgegen, ob das Zitat von Herrn Schuster oder Herrn Mehdorn stammt . Ist auch nicht so wichtig, denn mir scheint, es ist so weit: wir bekommen etwas mit von den Bauarbeiten. Haben wir also den Kopf im Gully?

Vor 2 Wochen habe ich noch über das Phänomen „Baulogistikstraße“ philosophiert ( https://infooffensive.de/2015/02/io-newsletter-15-02-2015-die-baulogistikstrasse-mythos-oder-wirklichkeit/ ) – nun, die Gruppe „Nordlichter“ philosophiert nicht, sie beschwert sich lautstark und medienwirksam über die bestehenden Verhältnisse und die damit verbundene Lärmbelastung: http://netzwerke-21.de/?p=7395 . Ich hoffe, dieser Protest zeigt Wirkung. Mindestens wirkt er weiter auf die öffentliche Wahrnehmung.

Ich selbst versuche auch gerade, Antworten zu bekommen. Mein persönlicher Gully ist im Gewerbegebiet Fasanenhof, wo die Tunnelbohrmaschine „Transuse“ wohl ab und an zu laufen scheint. Das merkt man dann immer an den verdreckten Straßen und der zugehörigen Kehrmaschine, die dort demonstrativ ihren Dienst tut. Demonstrativ deshalb, weil sie einem stets im Berufsverkehr begegnet. Und das in einem Gewerbegebiet, dessen verkorkstes Einbahnstraßenkonzept die Autofahrer an jedem Feierabend daran erinnert, dass es sich beim Gebiet um Abschreibeobjekte aus den 80er Jahren handelt, die eher überraschend zum Leben erweckt wurden. Immerhin einmal hat es die Baustelle schon in die Zeitung geschafft: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.neues-von-der-baustelle-dann-eben-weiter-im-stau-stehen.121d9636-7493-4b84-b7c3-8458e965863b.html . Und die EnBW tut, was von ihr erwartet wird: Sie versteht das Problem nicht. Ja, wer vor Ort war weiß, die MitarbeiterInnen der EnBW kommen durch ihre Lage und die eigens für sie gebaute Durchfahrt im Ring gar nicht in den Genuss des Verkehrsproblems. Aber natürlich klang das wirklich gut.

Übrigens ebenfalls bei den Netzwerken habe ich noch interessante ergänzende Infos zum Fernsehbeitrag über den Tunnelbau gefunden: http://netzwerke-21.de/?p=7222 . Der ja durch seine geplanten Sprengungen auch dafür sorgen wird, dass diejenigen, die noch keine Risse im Haus haben, auch weiterhin den Kopf im Gully behalten können. Interessant ist auch: Die Bahn baut Mist, sie weiß es, jeder weiß es, aber keiner tut etwas dagegen. Oder wie sonst ist dieser Artikel zur Fildertrasse zu interpretieren? http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-filder-trasse-nicht-empfehlenswert.81e23779-c693-4735-837e-f4c52c56a76a.html. Detailiertere Infos zum aktuellen Stand beim Filderabschnitt gibts bei Werner Sauerborn: http://www.parkschuetzer.de/assets/statements/180819/original/2015-03-01_rundmail.pdf?1425208848

Andernorts scheint es ähnlich zu sein: Am (bestgeplanten) Boßlertunnel geht nichts voran, seit einem Dreivierteljahr sucht man nach Lösungen für ein (bestgeplantes?) Problem: http://www.swp.de/goeppingen/lokales/landkreis_gp/Bahn-stoppt-Sprengungen-im-Bosslertunnel;art1210078,3070918 . Informationen zu den Verzögerungen gibt es von der Bahn AG wie gewohnt nicht. Es scheint, die Definition von Transparenz des Herrn Brunnhuber ( http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-mit-s-21-vereinsvorsitzenden-es-hilft-nur-eines-transparenz.62043747-1fee-4a5f-bd18-c26325bc8ae5.html ) ist nach wie vor deckungsgleich mit der Definition der CDU. Oder warum sonst kämpft man allenthalben um die Löschung von E-Mails? Natürlich stets betonend, man habe auf keinen Fall etwas zu verbergen: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.u-ausschuss-zum-stuttgart-21-polizeieinsatz-goenners-amtschef-kaempft-um-mails.27adc2ac-62a6-4998-bfcd-8bd6e4981d6e.html .

Und hier platzt wieder ein Traum aus der Stuttgart21-Blase: Merklingens Anschluss an die Welt – äh – halt – an das Schienennetz ist zur Überraschung aller ein teures Unterfangen und insgesamt gar nicht so einfach: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Diskussion-ueber-schnellere-Zuege-_arid,10184110_toid,338.html . Auch hier wird es wieder tausende Stimmen geben die sagen: Ja, wenn wir das gewusst hätten, wir hätten ganz bestimmt anders abgestimmt.

Also was bleibt? Genau! Weitermachen, weiter informieren, sichtbar bleiben. Dazu gehört neben der MoDemo (http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/02/26/die-262-montagsdemo-am-02-03-15/) auch die +++ Mahnwache +++. Und da auch diese von der Grippewelle nicht verschont bleibt, braucht sie aktuell +++ dringend Hilfe +++ : http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/02/27/mahnwache-bittet-um-personelle-unterstuetzung/.

Herzliche Grüße und -oben bleiben!

Andrea
für IO.KO

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