IO Newsletter 10.05.2015: Wo ist er hin, der Menschenverstand?

Liebe InfoOffensive,

letztens sagte jemand, dass es so etwas wie S21 ja nur in Stuttgart gäbe. In anderen Städten wäre das ja nicht so, mit den Fehlplanungen und der Geldverschwendung – und mir fiel fast die Kinnlade auf den Tisch. Okay, sie ist noch sehr jung. Wenn ich ehrlich bin, als Studentin hat mich das alles auch nicht so sehr interessiert. Nett war, wie alle Anwesenden sofort ein Beispiel parat hatten – da war nämlich jemand aus BERlin dabei. Und die Elbphilharmonie, die kennt ja jeder. Und dann kam die Hochmoselbrücke ins Gespräch – die bietet ja fast alles, was wir hier auch haben: Teuer, sinnfrei und noch dazu gefährlich (http://www.verkehrsrundschau.de/hochmoselbruecke-neue-zweifel-am-untergrund-1568804.html). Oder der Leipziger City-Tunnel: sinnfrei, teuer, verspätet und dann noch nicht einmal barrierefrei. Ach – und das Nürnberger Delphinarium hatte ich selbst gar nicht auf dem Schirm – das ist ja nur teuer, unnötig und undicht: http://www.wdsf.eu/index.php/delfinarien/delfinarium-nuernberg.

Und ich frage mich zum wahrscheinlich 100sten Mal: Wo bleibt eigentlich die Empörung? Die Antwort ist immer die gleiche: Es gibt sie nicht. Die Medien, die das Aufhetzen der Bevölkerung virtuos beherrschen, haben nach wie vor die GdL im Visier, die schuld an der ganzen Schlechtigkeit der Welt zu sein scheint. Es rauscht so durch den ganzen Blätterwald. Als gäbe es in dem Zusammenhang nichts anderes zu berichten. Dabei gibt es das sehr wohl – die Bahn-Vorstände erhöhen sich ihre Boni um 174 % (kein Tippfehler, es sind einhundertvierundsiebzig). Eine dürre Meldung dazu im Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/trotz-schlechtem-jahr-bahn-vorstaende-verdoppeln-ihre-erfolgspraemien/11524652.html), für die anderen Medien passt das gerade wohl nicht ins Bild.

Wie viele Lokführer kann man für 7,28 Millionen Euro beschäftigen? Für ein Jahr, wohlgemerkt. Wie viel Personal, dass dann für verlässlichen Bahnverkehr sorgt? Die Vorstände tun dies ja offensichtlich nicht, da könnte man sicher etwas einsparen.

Aber um Geld geht es offenbar immer nur dann, wenn es umverteilt werden soll. Aus den Taschen der Bürgerinnen und Bürger in die Taschen der Bahnvorstände. Also in diesem Beispiel – in anderen Beispielen wandert das Geld in andere Taschen. „Finanziell ein Fiasko, verkehrstechnisch ein Debakel“ – so charakterisiert Arno Luik Stuttgart21 bis heute (http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/214/buddeln-bis-2035-2874.html). Und natürlich nicht nur er. Doch für die Politik sind Sachargumente bis heute nicht relevant. Die Anhörung im Bundestag passt wunderbar in die Reihe der bisherigen Ereignisse. Zunächst wird wie immer jede Film- und Tonaufzeichnung ohne Begründung abgelehnt, und dann sind am Ende des Tages genau so viele Fragen offen wie zu Beginn. Details und die ausführlichen Stellungnahmen gibt es hier: http://www.kopfbahnhof-21.de/

Aber vielleicht bleiben die Fragen ja auch deshalb offen, weil wirklich niemand die Antworten kennt? Es scheint, bei der Bahn AG beginnt man so langsam doch noch mit der Projektplanung – jedenfalls überdenkt man aktuell das Logistik-Konzept (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-will-massen-auf-den-s-21-baustellen-bewegen.6cc2ae9b-2917-4da1-889b-88c173fa5d50.html) – Logistik gehört wohl nicht zu „bestgeplant“. Ebensowenig wie die Stadtbahnverlegung durch den Umbau der Haltestelle Staatsgalerie. Aus 9 Monaten Sperrung werden jetzt 15 – die Linie U14 wurde plötzlich komplett „vergessen“ (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nahverkehr-in-bad-cannstatt-hauptbahnhof-statt-charlottenplatz.c780bf87-d8bd-40ed-a27e-0c01c4a4fa75.html).

Ach wirklich? Vor einem Jahr gab es eine Planung dazu: http://www.infooffensive.de/stadtbahn oder bei der SSB: https://www.ssb-ag.de/Presse-48-0.html?ID=397 . Was ist eine Planung wert, an die sich in einem Jahr niemand mehr erinnern möchte?

Dabei ließ die SSB ja noch im September letzten Jahres verlauten, „Im Zusammenhang mit dem Umbau der Haltestelle Staatsgalerie ein Chaos im Stadtbahnverkehr zu prophezeien, entbehrt jeder Grundlage“ (https://www.ssb-ag.de/Presse-48-0.html?ID=454&date=09.2014). Die Pressemitteilung war übrigens eine Reaktion auf die Flyerkampagne „Rettet unsere Stadtbahn

Das bringt mich dann zurück zur jungen Dame vom Anfang. Weil es in vieler Hinsicht zeigt, dass unser Widerstand wirkt. Direkt – wie auf die SSB – und indirekt, weil er dazu führt, dass solche Misstände heute nicht mehr so leicht unter dem Deckel zu halten sind wie früher. Der Weg zur Wirkung ist weit aber der Erfolg ist sichtbar.

Also bleiben wir auch sichtbar: Zur Montagsdemo: http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/05/06/die-271-montagsdemo-am-11-05/

Zur Kirchentagsdemo: http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/04/16/aus-stuttgart-21-klug-werden-oben-bleiben-grosse-kundgebung-am-kirchentag-sa-6-juni-14-uhr/

+++ Unterstützer werden gesucht ++++ Für die PROTEST-Zeitung: https://www.startnext.com/protest-und-klueger-werden

Für die Kirchentagsdemo und zum Flyer verteilen am und um den Kirchentag: Vor den Sammelunterkünften, am Hauptbahnhof, an den Stadtbahnhaltestellen.

Wer helfen kann und will, meldet sich bitte +++ dringend +++ bei uns.

Herzliche Grüße und -oben bleiben!
Andrea
für IO.KO

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